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Prävention ohne eine Panikmache

Wenn Feuerwehrleute zum Einsatz aufbrechen, wissen sie nicht, in welchem Umfeld sie landen. Sie handeln aus Passion, Menschen aus Notsituationen zu befreien, und begeben sich in Gefahr. Unsichtbar ist dabei der "Feuer-Krebs" mit immensen Auswirkungen.

Kreis Calw. Um das Bewusstsein für das Risiko einer Krebserkrankung bei Feuerwehrleuten zu schärfen, bot die Freiwillige Feuerwehr Calw einen Vortrag an, zumal die Einsatzhygiene zunehmend in den Fokus rückt. "Es ist für die Feuerwehr...

...ein sehr wichtiges Thema und wir sind alle auf gutem Weg, sollten aber Panikmache vermeiden", verwies Stadtbrandmeister Dirk Patzelt auf bereits erste Maßnahmen im Stadtgebiet, um die sogenannte Kontaminationsverschleppung zu vermeiden. Soll heißen, entsprechend verschmutzte Einsatzkleidung nicht in "saubere" Bereiche zu bringen.

"Obwohl die Feuerwehr gefühlt ein Viertel meiner Arbeitszeit betrifft, war das Thema für mich neu, fällt aber nicht unbeträchtlich ins Gewicht und prägt die Aufgaben der Zukunft für eine sukzessive Verbesserung", konstatierte Calws Oberbürgermeister Ralf Eggert, bekanntlich selbst Feuerwehrmann. Wie ihm geht es wohl vielen gestandenen Feuerwehrleuten und Verantwortlichen für Mittelzuweisungen.

Beim Neubau des Stammheimer Gerätehauses bildet ein Waschplatz die Schwarz-Weiß-Trennung (räumliche Trennung der Arbeits- und persönlichen Kleidung), mindert also das Risiko, dass Gefahrenstoffe in die Umkleide gebracht werden.

"Brandrauch enthielt schon immer krebserregende Stoffe. Und moderne Feuer sind noch giftiger geworden", hielt Marcus Bätge, Mitbegründer und Geschäftsführer der FeuerKrebs gUG (Gesellschaft zur Förderung und nachhaltigen Verbesserung der gesundheits- und Arbeitsbedingungen von Feuerwehrleuten) mit Sitz in Hamburg, fest.

Eindrucksvoll stellte er die Ausdehnung eines Zimmerbrandes früherer Zeiten heutigen Gegebenheiten mit Blick auf verwendetes Baumaterial gegenüber.

Nicht nur vor diesem Hintergrund appellierte er, Gewohnheiten abzulegen und mit sensibilisiertem Bewusstsein eigenes Verhalten an der Einsatzstelle sowie im Nachgang beim Umgang mit Kleidung und Körperreinigung zu optimieren. "Die Aufnahme von Brandrauch, auch bei noch so kleinen Feuern über Atemwege, Verdauungssystem und Haut muss minimiert werden", mahnte er schon zum Anlegen von Atemschutz beispielsweise bei brennenden Mülleimern oder zur Reinigung der Hände, wenn beispielsweise bei langen Einsätzen zwischendurch Getränke oder Essen der Stärkung dienen sollen.

Darüber hinaus berichtete Bätge von den Aktivitäten der Feuer-Krebs auch in politische Richtung, um die Rahmenbedingungen für Feuerwehrleute zu verbessern. "Bei 1,2 Millionen freiwilligen Feuerwehrleuten in Deutschland müssen potenzielle Krebserkrankungen als Berufskrankheit auch für sie anerkannt werden", zog er 39 internationale Studien begründend ins Feld.

Technische und industrielle Entwicklung von eingesetzten Materialien erhöhten die Gefahrenstoffe in Brandrauch auf mehr als 5000. Und während die Gesellschaft sich dafür einsetzt, erinnerte Bätge zudem an gesetzliche Vorgaben, wonach bei Brandeinsätzen jede Kommune eine namentliche Dokumentation von beteiligten Feuerwehrleuten erheben muss. (Expositionserfassung gemäß Paragraf 14 (3,4) GefStoffV ist auch für Einsatzkräfte der Feuerwehr gefordert)

"Wir brauchen auch in Deutschland ein Gesetz, das die Feuerwehrleute bei Erkrankung absichert", forderte Bätge am Beispiel von Kanada. Feuer-Krebs setzt sich seit knapp drei Jahren auf allen Ebenen für Prävention, Optimierung der Rahmenbedingungen sowie Betreuung Betroffener und deren Familien ein. "Ausbildung, Aufklärung und Ausrüstung können das Risiko um 90 Prozent mindern und der wahre Held schützt sich", unterstrich der Referent. Resümierend betonte Patzelt, die Prävention in Calw Schritt für Schritt weiter voranzutreiben, Pläne zu erstellen und umzusetzen.